© Bildrechte liegen beim Club Berlin-Süd
Liebe Freundinnen und Freunde,
als ich im November 2018 in unseren Rotary Club aufgenommen wurde, war für mich eines sofort selbstverständlich: die vier Grundsätze unseres Handelns – unser Kompass, unser ethisches Fundament.
Der Vier-Fragen-Test, der uns immer wieder dazu anhält, uns zu fragen:
- Ist es wahr?
- Ist es fair für alle Beteiligten?
- Wird es Freundschaft und guten Willen fördern?
- Wird es dem Wohl aller Beteiligten dienen?
Diese Prinzipien wirkten auf mich – damals wie heute – logisch, überzeugend, selbstverständlich. Und doch ist seitdem viel passiert.
Damals, 2018, war Donald Trump schon über ein Jahr Präsident der Vereinigten Staaten – und schon damals hatte man das Gefühl, dass Gewissheiten bröckeln. Seitdem haben wir eine Pandemie erlebt, Krieg in Europa, Konflikte im Nahen Osten, globale Disruptionen, eine Kultur der Angst und der Empörung – und viele Gewissheiten, auf die wir uns lange verlassen haben, stehen heute in Frage.
Was tun in einer Zeit, in der nichts mehr selbstverständlich scheint?
In einer Zeit, in der sich vieles um Angst dreht, um Mangel, um Defizite – brauchen wir das Gegenteil: Führung, Haltung, Werte. Menschen mit einem inneren Kompass. Menschen, die nicht nur reden, sondern handeln. Und ich frage: Was ist Rotary anderes als genau das?
Rotary ist ein Zusammenschluss von Menschen, die etwas bewegen wollen. Menschen mit Profil, mit Energie, mit Meinungen – ja, oft mit starkem Charakter. Man könnte sagen: mit vielen Alphatieren.
Aber entscheidend ist nicht der Einzelne. Entscheidend ist das Wir. Die Gemeinschaft. Die Fähigkeit, Unterschiedlichkeit auszuhalten – und sich dennoch hinter gemeinsamen Ideen zu versammeln.
Das ist unsere Stärke.
Und genau das brauchen wir nicht nur in unseren Clubs, sondern in der gesamten Gesellschaft. Denn: Eine Gesellschaft, die keine gemeinsamen Ideen mehr hat, ist nicht erfolgreich. Aber auch eine Gesellschaft, die nur eine einzige Idee zulässt, die eng denkt, ist zum Scheitern verurteilt.
Was wir brauchen, ist der Mut zur ständigen Erneuerung. Nicht zur Abschaffung des Bestehenden, sondern zur Weiterentwicklung – im Respekt vor dem, was war.
Offenheit. Neugier. Und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.
Nicht Chaos, aber doch Experiment. Nicht Beliebigkeit, sondern lebendige Entwicklung.
In diesem Geist möchte ich mein Jahr als Präsident gestalten.
Ich möchte dazu beitragen, dass wir uns gemeinsam erneuern – ohne uns selbst zu verlieren.
Vielen Dank.
Armin Berger